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Ansprache von Karl-Anton Maucher, Leiter der Volkshochschule Leutkirch, anlässlich der Ausstellungseröffnung am 10.07.2015

Liebe Freunde und Kollegen von Claudio Uptmoor, liebe Kunstfreunde,

gestern hat Claudio einen runden Geburtstag gefeiert. Ich könnte mir vorstellen, dass er viele Geschenke bekommen hat. Er hat sie eigentlich nicht haben wollen, denn er empfindet sich als ein Mensch, der alles hat, was er für ein gutes Leben braucht. Wer das kann, der beschenkt sich selbst. Und so hat Claudio Uptmoor zu seinem 60. Geburtstag den Spieß umgedreht uns uns alle mit dieser wunderbaren Ausstellung beschenkt. Dafür darf ich mich im Namen der Stadt und als langjähriger Freund und Kollege sehr herzlich bedanken. Es ist ein vielfältiges und nachhaltiges Geschenk, das wir alle bekommen, wenn wir diese Ausstellung betrachten. Ich fühle mich reich beschenkt, wenn ich diese vielen unterschiedlichen Arbeiten sehe. Und ich nehme an, dass es den meisten von Euch und Ihnen genau so geht. 

Als direkter Nachbar durfte ich Claudio viele Jahre dabei beobachten, wie er seine künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten verfeinert und erweitert hat. Er collagiert und malt, er zeichnet und druckt, er nutzt die Möglichkeiten der Fotografie und der Bildbearbeitung am Computer für intensive Strukturstudien, setzt vielfältige Collage-Techniken ein, mit denen er Idyllen bricht, das Schöne ironisiert und Zustände kritisiert.

Fasziniert hat es mich immer, wie sich Claudio in seine künstlerische Arbeit vertiefen kann. Als er einmal damit angefangen hatte, seine Tuschefiguren zu zeichnen, da ging es mit ihm durch. Immer neue dicke und dünne Menschen mit und ohne Falten bevölkerten ganze Zeichenbücher. Und als die Bücher voll waren, da wanderten sie aus auf große Formate. Ich besitze selber eines der größten, ein drei Meter breites Flies, auf dem sich mehr als dreihundert nackte Menschen tummeln, die in ihrer Nacktheit aber nicht ausgestellt wirken. Er zeigt sie als Menschen mit Persönlichkeit und Selbstbewusstsein und Ausstrahlung. Menschen, die gerne sind, wie sie halt sind. Und wenn man sich Zeit nimmt, sie anzusehen, dann stellt man fasziniert fest, dass sie alle miteinander in Beziehung sind und wird den Eindruck nicht los, dass sie immer wieder auch neue Beziehungen mit ihren Nachbarn oben und unten, zur Linken und zur Rechten eingehen. Einige sehr schöne Bilder aus dieser Phase sind in dieser Ausstellung zu sehen. Er hat in ihnen eine eigene Sprache gefunden, einen unverwechselbaren Ausdruck.

Ich sah Claudio oft an diesen Wimmelbildern arbeiten und ich habe ihn manchmal auch beneidet. Er zeichnete und colorierte, vertieft in seine Arbeit, die ihm nicht Arbeit war, sondern Entspannung. Er schien die Zeit zu vergessen wie ein Kind, das im Sandkasten spielt und gar nicht wahrnimmt, dass die Mutter schon zum Abendessen gerufen hat und die Nacht hereingebrochen ist. Wenn Claudio malt und zeichnet, dann ist er ganz bei sich. Auch das ist eine Eigenschaft, die zu leben in unserem Alltag mit seinen vielen Reizen und Ablenkungen immer schwieriger wird. Claudio meditiert malend und zeichnend. Manchmal verbringt er Stunden damit, Texte, die ihm wichtig sind, abzuschreiben. Später sind sie der Hintergrund für Collagen oder Drucke. Texte aus Geo oder der Bibel, aus der Zeit oder aus der Schwäbischen, die im Bild selbst nichts weiter als Grauraum zu sein scheinen. Doch es sind die Inhalte der Texte, die er später in anderen Techniken auf der Fläche verarbeitet, die von der engen, schwer lesbaren Schrift bedeckt sind.

Claudio ist ein freier Künstler, viel freier als viele freie Künstler, die eben nicht frei sind, weil ihre Freiheit darin besteht, kein geregeltes Einkommen zu haben. Die sich die Freiheit nehmen, kreativ zu verarmen. Claudio arbeitet ohne Druck, er muss sich keine Gedanken darüber machen, ob es wohl anderen gefällt oder eine Summe Geldes wert sein könnte, was er da auf die Holzplatte, der Leinwand oder ein Stück Pappe befördert. Er arbeitet in sich versunken und mit Ausdruckswillen und lässt Bild werden, was ihn im Inneren bewegt. Er drückt aus, was er spürt, was ihn freut, was ihn ärgert, was ihn reizt. Und dafür stehen ihm erstaunliche Talente und eine lebendige Kreativität in vielen Techniken zur Verfügung.

Die Zeichnung und die Collage geben ihm Halt. Aber er erinnert sich auch gerne an seine Schulzeit. Und wenn er Lust bekommt, in Linoleum zu schneiden, dann ist es eben der Linolschnitt, der ihn fasziniert und dann wird eine Phase daraus und es entstehen in schneller Folge ganz viele Linoldrucke, in denen der Zeichner mit der Fläche spielt und seine Themen feinsinnig und fantasievoll variiert. 

Claudio zeigt uns hier Arbeiten aus über 30 Jahren künstlerischen Arbeitens. Viele dieser Arbeiten stammen aus jüngster Zeit, er hat sie extra für diese Ausstellung gemacht. Es sagt viel aus über die Haltung und die innere Freiheit von Claudio, dass er diese Kunstwerke freigibt für die Allgemeinheit. Der Erlös aus allen Verkäufen geht an die Bürgerstiftung. 

Lieber Claudio. Ich fühle mich reich beschenkt von dieser Ausstellung, die du dir selbst zum 60. Geburtstag geschenkt hast. Ich freue mich, dass sie hier in unserer Galerie im Kornhaus so viel Interesse gefunden hat. Wir dürfen gespannt sein, wie dein künstlerischer Weg weitergeht, wenn du in absehbarer Zeit noch mehr Zeit haben wirst für die Kunst. Ich bin sicher, dass du das Arsenal deiner Ausdrucksmöglichkeiten noch nicht ausgeschöpft hast. 

Vielen herzlichen Dank für diese wunderbare Ausstellung, die für die Galerie im Kornhaus und für viele Kunstfreunde in unserer Stadt ein gleichermaßen unverhofftes wie beglückendes Geschenk geworden ist.

Ich danke Ihnen und Euch allen für die Aufmerksamkeit.

 

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